Presse über uns

Bericht in der WELT vom 19.04.2013 - online: hier.

Das schwedische Radio berichtet am 20.04.2013 hier.

Bericht auf der Homepage von Umfairteilen v. 22.04.2013 - online hier.

Bericht im "Buch Markt" vom 24.04.2013 - online hier.

Bericht in der WELT vom 17.03.11

Lesetage gegen Vattenfall - Prominente Autoren und Edition Nautilus gründen Konkurrenzfestival

hlz – Hamburger LehrerInnenzeitung

Zeitschrift der GEW Hamburg 3-4/2012

Lesetage 2013

neues deutschland, 19.04.2013
Von Folke Havekost, Hamburg
19.04.2013
Inland


Erschwerte Lesebedingungen


Vattenfall setzt Veranstalter konkurrierender atomkritischer
Literaturfeste in Hamburg unter Druck
Der Energieriese Vattenfall veranstaltet in Hamburg zum 15. Mal seine Lesetage. Kritiker sehen das
als »Greenwashing« und organisieren literarische Gegenveranstaltungen. Sehr zum Missfallen
Vattenfalls.

Die gestern eröffneten Vattenfall-Lesetage in Hamburg haben im dritten Jahr mit
Gegenveranstaltungen zu kämpfen, die den Namensgeber und seine Energiepolitik kritisieren. Die
Auseinandersetzung wird mit harten Bandagen geführt: Der sponsernde Stromkonzern steht unter
Verdacht, die Konkurrenz unter Druck zu setzen.
Laut einem Bericht der »Hamburger Morgenpost« schrieb Lesetage-Kuratorin Barbara Heine
Autoren eines der beiden Konkurrenzfestivals per E-Mail an. »Das Bündnis aus autonomen
Aktivisten, Öko-Saft-Produzenten und Fernseh-Promis tritt an, ein Literaturfestival dem Boden
gleichzumachen. Und Sie sind dabei«, zitiert das Blatt aus einer Mail an Jakob Augstein, der am
Dienstag in der Hamburger Zentralbibliothek im Rahmen von »Lesen ohne Atomstrom« (LOA)
über »Grenzen des Wachstums« diskutieren soll.
LOA spricht vom »massiven Bedrängen diverser Autoren und Unterstützer« durch die
»Helfershelfer Vattenfalls«. In einem Fall sei die Organisation einer Alternativveranstaltung mit
Nazi-Praktiken in Verbindung gesetzt worden, teilweise seien auch Arbeitgeber auf das Engagement
in einem »mutmaßlich linksradikalen Umfeld« hingewiesen worden. »Die an Erpressung
grenzenden Übergriffe gegen die Künstler und Förderer sind beschämend und inakzeptabel«,erklärte Mäzen Frank Otto, Mitglied im Trägerverein »Kultur für Alle«.

Laut dem Stromkonzern war Kuratorin Heine bei ihrer Mail-Offensive an Augstein und Co. selbst
autonome Aktivistin. »Diese Mails ergingen nicht im Auftrag von Vattenfall«, erklärte das
Unternehmen. Sie habe beschlossen, »auf einige Teilnehmer mit Fragen zuzugehen«, begründete
Heine ihr Vorgehen gegenüber der »Morgenpost«.
Hella Schwemer-Martinßen, Direktorin der öffentlichen Bücherhallen, berichtete indes von einer
fünfköpfigen Abordnung Vattenfalls, die im November »sehr intensiv« darum gebeten habe, die
Zusammenarbeit mit den LOA-Organisatoren einzustellen. Der Stromkonzern bestätigte den
Besuch, bezeichnete ihn aber als »normalen Vorgang« nach »14 Jahren der Zusammenarbeit«. Die
Vattenfall-Lesetage finden 2013 zum 15. Mal statt.
Nach Darstellung Schwemer-Martinßens hat Vattenfall nach der unergiebigen Visite auch
vergeblich versucht, über SPD-Fraktionschef Andreas Dressel Druck auszuüben. Nach nd-
Informationen gab es auch Versuche von anderen Politikern, Unterstützer der
Alternativveranstaltungen zu einem Rückzug zu bewegen.
Seit 2011 finden die Festivals »Hamburger Energie Wechsel-Lesetage« (HEW, 15. bis 20. April)
und »Lesen ohne Atomstrom« (22. bis 26. April) statt, um dem - so der Vorwurf - »Greenwashing«
des Stromkonzerns entgegenzutreten. »Wir wollen dezentrale, erneuerbare Energie und übertragen
diese Forderung auf die Kultur«, erklärt Hanna Mittelstädt, eine der HEW-Organisatoren. 2013 sind
die Lesefestivals von besonderer Bedeutung: Am 22. September entscheiden die Hamburger über
einen vollständigen Rückkauf der Energienetze, die derzeit von Vattenfall und E.on gehalten
werden.
»Wir sehen keinen Grund, warum die Kulturbehörde einen Konzernriesen finanziell und durch
andere Vergünstigungen unterstützt, bei anderen Initiativen im Kultur- und Bildungsbereich
hingegen Einsparungen tätigt oder sie gar nicht fördert«, schrieben die HEW-Macher in einem
unbeantworteten Brief an Kultursenatorin Barbara Kisseler.

»Die Stadt arbeitet nicht nur im Kulturbereich eng mit Vattenfall zusammen. Sie kann und darf ein
solch übles Verhalten nicht unkommentiert lassen«, äußerte sich der LINKENBürgerschaftsabgeordnete
Norbert Hackbusch zu den aktuellen Vorwürfen. Der Vorsitzende des
Bürgerschafts-Kulturausschusses forderte Senatorin Kisseler auf, zum »ausgewachsenen politischen
Skandal« Stellung zu beziehen.
Die Stadt bezuschusst das Kinderprogramm der Vattenfall-Lesetage mit einem vierstelligen Betrag
und verschickt Informationsmaterial über Behördenpost an Hamburger Schulen. »Es gibt viele
Lesefestivals in Hamburg, aber am Ende des Tages steht die Frage: Mit welchen ethischen
Standards will man eigentlich Kulturförderung in einer Stadt betreiben?«, sagte LOA-Sprecher
Oliver Neß gegenüber »nd«.

 

Neues

Die zunehmende "Refeudalisierung des Kulturbetriebes" beklagte der Schriftsteller Ingo Schulze schon 2007 (in seiner Dankesrede anlässlich des von E.ON finanzierten Literaturpreises):

Auszug aus der Dankesrede von Ingo Schulze zur Verleihung des Thüringer Literaturpreises 2007 in Weimar

"​.. Die Tendenz zur Refeudalisierung des Kulturbetriebes geht einher mit einer allgemeinen Privatisierung und damit Ökonomisierung aller Lebensbereiche: des Gesundheitswesens, der Bildung, des Sports, des Verkehrssystems, der Wohnungswirtschaft, der Energiewirtschaft – bis dahin, dass private Firmen Polizeiaufgaben übernehmen. Ich fürchte, dass es nur noch ein kleiner Schritt sein wird, bis private Armeen im Auftrag Deutschlands zum Einsatz kommen." [Mehr...]